Vorarlberg ist Österreichs westlichster Zipfel und packt auf engem Raum ein komplettes Alpenprogramm: vom Bodensee-Ufer auf gut 400 Metern bis zur Bielerhöhe auf über 2.000, mit einer der berühmtesten Mautstraßen der Ostalpen, dem eigenwilligen Bregenzerwald und dem Montafon als tief eingeschnittenem Hochgebirgstal. Die Anfahrt ist kurz — über den Bodensee oder das Allgäu —, der Höhenunterschied groß: Wer früh startet, fährt Seeufer und Zweitausender am selben Tag.
Silvretta-Hochalpenstraße – das fahrerische Wahrzeichen

Die Silvretta-Hochalpenstraße ist die bekannteste Straße des Landes — und zugleich die wichtigste Planungs-Info des Reviers: Nach Murenabgängen und Steinschlag ist die Vorarlberger Westrampe ab Partenen bis voraussichtlich 2030 gesperrt. Die Bielerhöhe auf 2.032 Metern mit dem Silvretta-Stausee, Gletschern und Dreitausendern ringsum erreicht man mit dem Motorrad derzeit nur von der Tiroler Seite: über das Paznaun durch Ischgl bis Galtür und die Ostrampe hinauf (seit Juni 2026 wieder offen), zurück auf gleichem Weg — eine Durchfahrt ins Montafon gibt es bis zur Wiedereröffnung nicht. Von Vorarlberger Seite bringt die Vermuntbahn Wanderer hinauf, das Motorrad bleibt unten. Aktuellen Status vor der Anreise prüfen.
Montafon – das Standquartier im Hochtal

Das Montafon zieht von Bludenz rund 25 Kilometer nach Süden bis Partenen — ein Hochtal mit den Dreitausendern der Silvretta im Süden und dem Rätikon im Westen. Die Talstraße durch Schruns, St. Gallenkirch und Gaschurn ist gut ausgebaut und schnell gefahren; der fahrerische Höhepunkt ist die Terrassenstraße nach Bartholomäberg mit dem Blick über das ganze Tal — die Silvretta-Auffahrt am Talschluss ist gesperrt (siehe oben). Als Basislager für Arlberg und Bregenzerwald liegt das Montafon trotzdem zentral.
Klostertal, Arlberg und Flexenpass – das Tor nach Osten

Von Bludenz nach Osten führt das Klostertal entlang der Alfenz über Klösterle und Stuben zum Arlbergpass auf 1.793 Metern, der klassischen West-Ost-Verbindung über den Alpenhauptkamm; drüben liegt St. Anton in Tirol. Der Arlberg gilt als verlässlich befahrbar, wenn die höheren Mautstraßen noch oder schon gesperrt sind — bei schlechtem Wetter nimmt der mautpflichtige Arlberg-Straßentunnel die Verbindung auf. Kurz vor der Passhöhe zweigt bei Rauz die Flexenstraße nach Norden ab: über den Flexenpass (1.773 m) mit seinen in den Fels gebauten Lawinengalerien nach Zürs und Lech. Diese Galeriestrecke ist eine der markantesten Passagen Vorarlbergs und der Auftakt zur großen Runde in den Norden.
Bregenzerwald und Hochtannbergpass – die Runde in den Norden

Von Lech aus schließt die Fahrt über Warth und den Hochtannbergpass (1.676 m) den Kreis: Die Rampe fällt nach Schröcken in den hinteren Bregenzerwald ab. Warth und Schröcken zählen zu den schneereichsten bewohnten Orten der Alpen, entsprechend spät im Jahr gibt der Pass die Höhe frei. Der Bregenzerwald selbst ist kein Hochgebirge, sondern eine hügelige Voralpenlandschaft mit stillen Verbindungsstraßen und der bekannten modernen Holzarchitektur seiner Dörfer Au, Schoppernau und Bezau. Hier stehen weite, wenig befahrene Kurven statt Pass-Trubel — Landschaft vor Kehrenzahl.
Furkajoch, Faschinajoch und das Große Walsertal – die stillen Übergänge

Zwischen Bregenzerwald und Rheintal liegen zwei kaum befahrene Joche, beide bei Damüls ansetzend. Das Furkajoch (1.761 m) fällt über schmale, enge Kurven ins Laternsertal und weiter ins Rheintal ab — teils einspurig, nichts für Eilige, landschaftlich aber lohnend. Das Faschinajoch (1.486 m) führt hinüber ins Große Walsertal, einen ruhigen, als Biosphärenpark geschützten Seitengraben, der bei Ludesch im Walgau endet. Beide Übergänge sind die Ausweichrouten für alle, die dem Verkehr von Silvretta und Arlberg entgehen wollen.
Rheintal und Walgau – die schnellen Zubringer

Der flache Talboden von Rheintal und Walgau ist kein Kurvenrevier, aber das Rückgrat jeder Tour. Über das dicht besiedelte Rheintal mit Bregenz, Dornbirn und Feldkirch und den anschließenden Walgau entlang der Ill nach Bludenz erreicht man zügig die Einstiege in Montafon, Klostertal und die Walsertäler. Wer die Berge fahren will, quert diese Ebene als schnelle Verbindung, nicht als Ziel.
Kleinwalsertal und Bodensee – die Ränder

Zwei Sonderfälle begrenzen das Land. Das Kleinwalsertal gehört politisch zu Vorarlberg, ist mit dem Motorrad aber nur über das deutsche Allgäu bei Oberstdorf erreichbar — eine Hochtal-Sackgasse bis Baad, ohne Straßenanschluss zum übrigen Vorarlberg. Im Westen liegt der Bodensee: Über Bregenz erhebt sich der Pfänder unmittelbar aus dem Uferstreifen, sein Hausberg-Blick reicht über den ganzen See bis in die Schweizer und deutschen Ufer. Vom Seespiegel auf gut 400 Metern bis auf die Bielerhöhe und zurück — dieser Höhensprung auf kurzer Distanz ist das Wesen Vorarlbergs.